Geheimtipp: Fake-Bewertungen schreiben

Immer wieder witzig, so auch diese Woche: Eine unbedarfte Mitarbeiterin der Galileo-Redaktion hatte mich vor ein paar Tagen angerufen. Nachdem sie schon bei den Kollegen aus anderen Firmen gescheitert war (welch‘ Wunder), rief sie bei uns an. Schon bei ihrem „Rumgedruckse“ wurde mir klar, dass hier etwas im Busch ist. Aber als höflicher Mensch lies ich sie natürlich ausreden …
„Geheimtipp: Fake-Bewertungen schreiben“ weiterlesen

100€ Belohnung für jeden Inder, der Bewertungen fälscht

 

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“  Albert Einstein.

 

Ich hab’s nicht gesagt: Albert war es. Aber ich schließe mich dem Zitat voll umfänglich an. Gestern habe ich wieder einmal nach der „Stimme des Volkes“ gestöbert und wurde auch ganz schnell fündig.

Mein Lieblingsthema: Gefälschte Bewertungen!

Nicht, dass es mich wirklich etwas angehen würde, denn gefälschte Bewertungen kann bei uns keiner kaufen! Nichts anderes werden Sie auf meiner Website finden und geheime Absprachen auf einem Autobahnrastplatz gegen Mitternacht werden von uns auch nicht getroffen. Wir sind nicht einmal im Darknet unterwegs – ich schwör’s!

tn3, eine ziemlich coole Seite, hat einen Artikel veröffentlicht, der mit der witzigen Überschrift „Das Imperium schlägt zurück. Amazon löscht zehntausende kommerzielle Bewertungen“. Nun gut, so neu ist das Thema jetzt nicht gerade. Wir hatten schon vor geraumer Zeit darüber berichtet. Aber offensichtlich immer wieder gerne genommen.

Und natürlich fanden sich auch gleich mehrere Tugendwächter ein. „Sascha“ war Feuer und Flamme:

Richtig so; ich hatte Amazon, seinerzeit, wiederholt auf entsprechende Kommentare aufmerksam gemacht, um Löschung selbiger gebeten – Resultat: Ersuchen abgelehnt.

Nun wird seitens Amazon endlich umgesetzt was ich schon lange monierte – denn solche Kommentare verleiteten mich dazumal zu Fehlkäufen …, Bücher erstehe ich ausschließlich im stationären Handel, da Buchsendungen i. d. R. beschädigt zugehen“.

Vollkommen unverständlich, dass Amazon nicht gleich auf Saschas Begehren reagiert hat. Oder vielleicht war Sascha der Grund für die jetzige „Säuberungsaktion“? Und woher wusste Sascha eigentlich, dass es sich um gefälschte Bewertungen handelt? Stand das irgendwo dran? Und jetzt wird es noch spannender. Wenn Sascha schon wusste, dass es sich um gefälschte Rezensionen handelt: Warum hat er nicht daraus gelernt und lässt sich von solchen Kommentare in die Irre führen? Und: Kennt Sascha sein Rückgaberecht bzw. Widerrufsrecht denn nicht? Buchsendungen gehen bei ihm gleich in der Regel beschädigt ein? Seltsam, obwohl ich vermutlich deutlich älter bin als Sascha, habe ich noch niemals eine beschädigte Büchersendung erhalten. Nicht einmal von Ebay-Verkäufern, die ihre Produkte gerne mal in alte Pappkartons aus dem Supermarkt stopfen.

Ja, ja – diese gefälschten Bewertungen. Man hört und liest ja so gerne von den Indern, die in ihrem Heimatland reihenweise Fake-Bewertungen abgeben. In langen Reihen sitzen sie gebückt in maroden Industriehallen und fälschen vor sich hin, was das Zeug hält …

Bitte Leute, mein Aufruf an Euch: Schickt mir doch mal so einen Inder oder zumindest seine Emailadresse, damit ich mit ihm in Kontakt treten kann. Ich zahle gerne 100€ für jeden, der für mich Bewertungen auf Teufel komm‘ raus faked. Wäre sicher ein lohnendes Geschäftsmodell!!!

Ich nehme auch gerne einen Hersteller, der 100 Bewertungen von mir will, seine Produkte an mich schickt und nach der bezahlten Bewertung wieder zurücknimmt. Und mir dann das Geld über Paypal wieder zurück überweist. Ach zu dumm, wir arbeiten ja gar nicht mit Paypal zusammen. Dann doch die Autobahnraststätte bei Nacht und Nebel?

Tja, mit einigen scheint die Fantasie wirklich durchzugehen. Dass es aber noch ganz andere Möglichkeiten gibt, Menschen zu finden, die ein Produkt oder eine Location bereits kennen und die gerne und sogar ohne Bezahlung ihr Urteil abgeben, kommt einigen gar nicht in den Sinn. Wo bleibt da eigentlich Eure Fantasie?

Und mal ganz ehrlich: Mich persönlich interessieren Bewertungen von wildfremden Leuten überhaupt nicht! Ich kann noch selber denken.

Was sagt es denn aus, wenn die Shopping-Queen aus Wanne-Eickel (nichts gegen Wanne-Eickel!) oder der Hausmeister aus Buxtehude (nichts gegen Buxtehude) einen After Shave wirklich „geil“ finden? Hallo, haben diese Meinungen – und Bewertungen sind nun einmal Meinungen – irgend etwas mit meinem eigenen Geschmack zu tun? Und kann ich diese Leute dann – vorausgesetzt die Rezensionen sind echt – dafür verantwortlich machen, dass ich einen Fehlkauf gestartet habe?

Im Übrigen empfinde ich es als bodenlose Frechheit, den Testkäufern oder Produktbewertern einfach mal pauschal zu unterstellen, dass diese alle Betrüger und Abzocker sind. Die vielen negativen Bewertungen von Produkttestern, die eindeutig bei Amazon kenntlich gemacht wurden, sprechen eine deutlich andere Sprache.

Also Leute, einfach mal mitdenken, das bewährt sich nicht bei allen, aber bei den meisten von uns!

 

 

 

Echte Bewertungen? Willkommen in Absurdistan

www.pixabay.com

 

Gerne neigen wir alle dazu, die Dinge erst einmal als gegeben hinzunehmen, die uns so präsentiert und immer wieder vorgekaut werden. Wer sich allerdings intensiv mit einem Thema befasst und seine Ansichten selbst reflektiert, kommt nicht umhin, über sein Tun oder Nicht-Tun nachzudenken.

Wir haben nachgedacht! Über die tiefere Bedeutung und die wirtschaftlichen Auswirkungen von

  • Fakebewertungen
  • Online-Bewertungen
  • Bewertungsportale
  • gekaufte Bewertungen
  • Gefälligkeitsbewertungen
  • Bewertungsmanipulation
  • Bewertungsverweigerer
  • positive, neutrale und negative Bewertungen
  • Bewertungen, die abgegeben werden, um anderen zu schaden
  • Motivation von Bewertern
  • kurze und lange Bewertungen
  • Sterne-Kategorien und noch vieles mehr

Immer ausgehend von dem Paradigma:

Nur eine „echte“ Bewertung ist eine wahre Bewertung.

Was aber, wenn man das Paradigma an sich in Frage stellt? Wir möchten hier nichts schönreden oder Lug und Trug den Weg bereiten. Aber wenn man sich ständigen Anfeindungen von Unwissenden ausgesetzt sieht, darf man sich seine Gedanken machen.

Was also ist eigentlich eine „echte“ Bewertung?

Sicher eine Rezension, die jemand aus freien Stücken abgibt, weil er seine Meinung kund tun möchte. Und hier sind schon an einem sehr interessanten Punkt:

Eine Bewertung ist eine Meinung!

Sie ist keine Produktbeschreibung, kein Versprechen, kein Verkaufsargument und sie ist in jedem Fall fern von jeder Objektivität. Und auch hier können wir nicht umhin, wieder einmal Wikipedia zu zitieren:

„…Nach einer verbreiteten philosophischen Begriffsverwendung ist das Meinen ein Fürwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. Dadurch unterscheidet sich das Meinen vom Glauben und vom Wissen…“

Eine Bewertung ist daher genau so wenig objektiv wie die „wahre“ Wahrheit, „objektive“ Sichtweisen, „unwahre“ Tatsachenbehauptungen oder die „einzig mögliche“ Betrachtungsweise. Das Beharren auf letzterer hat nicht nur einmal zu Scheidungen oder Kriegen geführt.

Was aber ist dann mit den nicht abgegebenen Bewertungen und Rezensionen? Stehen dahinter nicht auch Erfahrungen, Meinungen und Einschätzungen? Und müssten diese dann nicht ebenfalls zur Beurteilung eines Urlaubs, eines Shops, einer Dienstleistung hinzugerechnet werden?

Was ist mit den Anbietern, deren Kunden einfach nur bewertungsfaul sind? Leisten diese folglich schlechtere Arbeit, haben den finanziellen Erfolg nicht verdient, nur weil sie keine bunten Sternchen hinter ihrem Angebot vorweisen können?

Und wie verhält es sich eigentlich mit den ganzen schlauen Statistiken, die genau herausgefunden haben wollen, dass „gekaufte“ Bewertungen tendenziell besser sind, als die sogenannten „echten“ Bewertungen? Haben sich dort Fake-Bewerter gemeldet und gesagt: „Ja, meine Bewertung ist gefälscht, rechnen Sie diese doch bitte einmal in Ihre Statistik ein“?

Nicht zuletzt: Sind die „echten“ Bewerter die einzig fachkundigen Personen? Sind sie nicht auch manchmal frustriert, ungeduldig, unaufmerksam, schwer von Begriff, wütend, enttäuscht oder geblendet von schicken Werbezugaben?

In unserem Bemühen, die Guten (den wütenden Kunden, der dem Händler wider gutes Wissen seine Meinung „geigen“ will?) von den Bösen (die Händler, die von uns allen quasi gezwungen werden, Bewertungen zu horten, um überhaupt am Spiel teilnehmen zu dürfen?) zu unterscheiden, vergessen wir manchmal, was Bewertungen und Rezensionen eigentlich sind: Meinungen Einzelner, denen wir uns anschließen können oder die mit unseren eigenen Erfahrungen überhaupt nicht übereinstimmen müssen.