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VonContent-Werkstatt

Die dunkle Seite der Macht: Esmeralda Reith

Kaum bin ich 4 Tage in Urlaub, geht es in der „Bewertungsszene“ drunter und drüber …

Wie immer sind interne Informationen die besten Informationen!

Um was geht es genau?

Mehr als 200 Firmen haben innerhalb eines Tages negative Bewertungen erhalten, bzw. eine Rezension mit 1 Stern, ohne einen Kommentar abzugeben. Der Name, unter dem sich dieser Bot oder die Person geäußert und gespammt hat, war immer „Esmeralda Reith“.

Dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, bedarf keiner Erklärung (200 Rezensionen an einem Tag?). Für den einzelnen Unternehmer war es sicher zuerst einmal ein Schock, denn die Firmen waren sich keiner Schuld bewusst. Viele haben sich zu der Bewertung nicht geäußert, sondern einfach die Kröte geschluckt.

Für manche Firmen ist der Imageschaden allerdings erheblich, insbesondere, wenn nur wenige Rezensionen zu finden waren. Eine schlechte Bewertung wiegt dann natürlich noch viel schwerer.

Erfahrenere User haben sich das Profil allerdings ein wenig näher betrachtet: Esmeralda Reith und gesehen, woher der Wind weht. Sellfirst Webdesign hat auch gleich noch einen 2. Verursacher ausgemacht Max W. und versucht, die Vorfälle über Google zu klären. Aber Google ist eben auch nur eine Hotline mit Dauerwarteschleife und ungefähr so schnell und wendig wie deutsche Behörden.

In der Google Community haben sich dann einige User zusammengefunden und versuchen nun, gemeinsam eine Löschung bei Google zu erreichen. Zu dumm, dass gerade die Datenschutzbestimmungen noch weiter verschärft wurden …

Aber es kommt noch besser!

Ein Firmeninhaber wurde nach eigenen Aussagen von einer unbekannten Person kontaktiert, dass es eine Möglichkeit gäbe, diese Bewertungen löschen zu lassen. Von Geldbeträgen ist hier nicht die Rede, aber man kann sich vorstellen, dass diese Löschungen nicht aus reinster Nächstenliebe veranlasst werden sollten.

Es wird nun darüber spekuliert, dass sich eine neue Geschäftsidee entwickelt hat: Wir verteilen möglichst viele schlechte Bewertungen an eine Reihe von Firmen, rufen dort an (die Rufnummer des Anrufers war natürlich unterdrückt) und lassen unsere eigenen schlechten Reviews gegen Bezahlung wieder verschwinden. Sehr clever, denn niemand kann negative Bewertungen schneller und unauffälliger eliminieren, als der, der sie selbst verfasst hat.

Fazit

In diesem Fall hat es sich um Google Bewertung gehandelt. In unserem Alltag als Unternehmensberatung  werden wir allerdings regelmäßig damit konfrontiert, dass es gezielt negative und/oder Rachebewertungen auch auf anderen Portalen gibt. Im Kleinen versuchen Kunden z. B. bei Ebay oder Amazon Händler zu erpressen, um einen Vorteil herauszuschlagen. Größer sind allerdings die Probleme, wenn Mitbewerber gezielt versuchen, Konkurrenten auszuschalten, indem Sie deren Produkte erwerben und dann eine negative Bewertung zu hinterlassen.

Die Dreistigkeit und kriminelle Energie von „Esmeralda Reith“ & Konsorten ist allerdings kaum mehr zu überbieten. Man muss schon sehr viel (negative) Fantasie besitzen, um sich ein solches „Geschäftsmodell“ überhaupt vorstellen zu können.

Und wieder sollten wir uns alle die Frage stellen, welchen tatsächlichen Wert Bewertungen überhaupt besitzen können:

  • Sie sind keine objektiven Testergebnisse einer unabhängigen Stelle, sondern immer subjektiv
  • Falls nicht für jeden Verkauf oder jede Dienstleistung eines Anbieters eine Rezension abgegeben wurde, bietet sie nur einen minimalen Ausschnitt der „Wahrheit“
  • Wurde überhaupt keine Rezension abgegeben, ist unsere intuitive Ablehnung des Anbieters vollkommen unbegründet
  • Gibt es tatsächlich Bewertungen für einen Anbieter, können Sie ganz klar gefälscht sein: in Richtung negativ, ebenso wie in Richtung positiv 

Update vom 13.08.2018

Gibt es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit?

Google hat offensichtlich reagiert und die Bewertungen von Max und Esmeralda sind nun nicht mehr sichtbar. Auch in den Profilen der geschädigten Firmen sind die Rezensionen nun verschwunden. Bleibt nur zu hoffen, dass niemand auf diese Masche hereingefallen ist und bezahlt hat. Aber weiß man das so sicher? Vermutlich haben Max und Esmeralda nun einfach „umfirmiert“.

VonContent-Werkstatt

Künstlicher Aufreger: gefälschte Bewertungen

Ich kann es nicht mehr sehen und erst recht nicht mehr hören! Möglicherweise liegt es ja daran, dass ich meinen Fokus auf die Themen Bewertungen, Rezensionen, Reviews, Kundenbewertungen, Onlinebewertungen & Co. gerichtet habe.

Kennen Sie das noch? Sie waren verliebt in ein Mädchen mit einem gelben VW Golf. VW Golf in gelb? Gibt es nicht! Tatsächlich scheint diese Farbe unterrepräsentiert zu sein. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Sie dieses Gelb bewusst wahrnehmen. Die Welt scheint auf einmal voll von gelben Fahrzeugen dieses Typs zu sein ...

Natürlich ist auch Google daran Schuld, denn wenn man Google Alert mit den einschlägigen Begriffen füttert, wird man täglich "neue" Nachrichten bzgl. des Themengebietes im virtuellen Postfach vorfinden.

Bitte einmal zum Mitschreiben:
Es gibt tatsächlich gekaufte Bewertungen, gefälschte Rezensionen und Fake-Bewertungen. Wir wissen es mittlerweile alle!

Leider scheinen einschlägige Medien keinen anderen Aufreger zu finden und zusätzlich droht das Sommerloch. Ich wüsste zwar Einiges, über das man sich in diesem Land ein wenig mehr erbosen könnte, aber in diesem Punkt sind wir uns alle einig: Skandal! Betrug! Katastrophe!

  • Wer regt sich eigentlich noch darüber auf, dass täglich Lebensmittel zurückgerufen werden? Sogar Bioprodukte sind deutlich verunreinigt. Diese "Kleinigkeiten" erreichen nicht einmal mehr die Aufmerksamkeit der Medien, sondern sind nur noch einen schnöden Zettel in Lebensmittelmärkten wert. Betrug am Verbraucher?
  • Lebensmittel können ellenlange Listen von Inhaltsstoffen enthalten. Die meisten müssen nicht deklariert werden, wenn sie ihre Wirksamkeit während des Verarbeitungsprozesses verlieren. Betrug am Verbraucher?
  • Krebsmedikamente werden gepanscht, die Behörden sind informiert, geben diese Erkenntnisse aber nicht an die Patienten weiter. Betrug am Verbraucher?

Wir möchten "Bewertungsbetrug" nicht schön reden, wobei zum Tatbestand des Betruges eindeutige Voraussetzungen gehören, die wir an dieser Stelle nicht umfassend erörtern möchten. Aber verlieren 3 oder 4 Sterne nicht ihre Bedeutsamkeit, im Angesicht von solch ernsten Problemen?

 

Daher nochmals ohne Umschweife:

 

  • Wer bis drei zählen kann, sollte eigentlich mitbekommen haben, dass Produkt-Bewertungen gefälscht sein könnten.
  • Ausgehend von diesem Paradigma sollten wir realisieren, dass wir Bewertungen nicht trauen können.
  • Punkt.

 

Natürlich kann man nun ein Fass um das Thema aufmachen. Die Frage aller Fragen: Wer ist daran schuld? In Deutschland immer gerne genommen. Auch in anderer Beziehung. Wenn wir nur den Schuldigen ausmachen können und mit dem Finger auf andere zeigen können, ist unsere kleine Welt wieder in Ordnung.

Also: Wer ist Schuld?

Die Antwort: Die Nachfrage bestimmt das Angebot.  Ist dies nicht die viel beschworene Macht des Verbrauchers?

Fakt ist:
WIR kaufen nicht mehr, wenn es für einen Artikel oder eine Dienstleistung keine Bewertungen gibt. Teils aus gutem Grund, teils aus reiner Bequemlichkeit.

Dass es allerdings eine Hexenjagd bzgl. der initiierten Rezensionen gibt, ist mir unverständlich. Denn da nahezu alle Reviews auf Grund von Algorithmen aussortiert werden, trifft es auch "echte" Kunden, die sich die Mühe einer Äußerung, Empfehlung, Verbesserung oder auch Kritik gemacht haben. Diese Personen werden über kurz oder lang die Lust an ihrem Einsatz verlieren.

Vor allem aber: Gute Kritiken konnte man schon immer kaufen!

In "früheren" Zeiten nannte man dies schlicht und ergreifend Werbung. Wer Geld hatte und in seinen Ruf investieren wollte, hat eben Printwerbung gebucht, Prospekte verteilt oder sich einen Platz in irgend einem Ratgeber erkauft. Bestenlisten gab es schon immer. Seien es Reiseführer, Automobilmagazine, Campingplatz-Ratgeber oder Productplacements in allen möglichen Filmen, Serien oder bei Sportveranstaltungen.

Werbung ist wichtig und richtig. Aber wer daran glaubt, dass sie immer der Wahrheit entsprach und entspricht und keinesfalls manipulativ eingesetzt wurde oder wird, der glaubt auch, das Zitronenfalter Zitronen falten.

VonContent-Werkstatt

Geheimtipp: Fake-Bewertungen schreiben

Immer wieder witzig, so auch diese Woche: Eine unbedarfte Mitarbeiterin der Galileo-Redaktion hatte mich vor ein paar Tagen angerufen. Nachdem sie schon bei den Kollegen aus anderen Firmen gescheitert war (welch‘ Wunder), rief sie bei uns an. Schon bei ihrem „Rumgedruckse“ wurde mir klar, dass hier etwas im Busch ist. Aber als höflicher Mensch lies ich sie natürlich ausreden …
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VonContent-Werkstatt

100€ Belohnung für jeden Inder, der Bewertungen fälscht

 

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“  Albert Einstein.

 

Ich hab’s nicht gesagt: Albert war es. Aber ich schließe mich dem Zitat voll umfänglich an. Gestern habe ich wieder einmal nach der „Stimme des Volkes“ gestöbert und wurde auch ganz schnell fündig.

Mein Lieblingsthema: Gefälschte Bewertungen! weiterlesen

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Echte Bewertungen? Willkommen in Absurdistan

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Gerne neigen wir alle dazu, die Dinge erst einmal als gegeben hinzunehmen, die uns so präsentiert und immer wieder vorgekaut werden. Wer sich allerdings intensiv mit einem Thema befasst und seine Ansichten selbst reflektiert, kommt nicht umhin, über sein Tun oder Nicht-Tun nachzudenken.

Wir haben nachgedacht! Über die tiefere Bedeutung und die wirtschaftlichen Auswirkungen von

  • Fakebewertungen
  • Online-Bewertungen
  • Bewertungsportale
  • gekaufte Bewertungen
  • Gefälligkeitsbewertungen
  • Bewertungsmanipulation
  • Bewertungsverweigerer
  • positive, neutrale und negative Bewertungen
  • Bewertungen, die abgegeben werden, um anderen zu schaden
  • Motivation von Bewertern
  • kurze und lange Bewertungen
  • Sterne-Kategorien und noch vieles mehr

Immer ausgehend von dem Paradigma:

Nur eine „echte“ Bewertung ist eine wahre Bewertung.

Was aber, wenn man das Paradigma an sich in Frage stellt? Wir möchten hier nichts schönreden oder Lug und Trug den Weg bereiten. Aber wenn man sich ständigen Anfeindungen von Unwissenden ausgesetzt sieht, darf man sich seine Gedanken machen.

Was also ist eigentlich eine „echte“ Bewertung?

Sicher eine Rezension, die jemand aus freien Stücken abgibt, weil er seine Meinung kund tun möchte. Und hier sind schon an einem sehr interessanten Punkt:

Eine Bewertung ist eine Meinung!

Sie ist keine Produktbeschreibung, kein Versprechen, kein Verkaufsargument und sie ist in jedem Fall fern von jeder Objektivität. Und auch hier können wir nicht umhin, wieder einmal Wikipedia zu zitieren:

„…Nach einer verbreiteten philosophischen Begriffsverwendung ist das Meinen ein Fürwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. Dadurch unterscheidet sich das Meinen vom Glauben und vom Wissen…“

Eine Bewertung ist daher genau so wenig objektiv wie die „wahre“ Wahrheit, „objektive“ Sichtweisen, „unwahre“ Tatsachenbehauptungen oder die „einzig mögliche“ Betrachtungsweise. Das Beharren auf letzterer hat nicht nur einmal zu Scheidungen oder Kriegen geführt.

Was aber ist dann mit den nicht abgegebenen Bewertungen und Rezensionen? Stehen dahinter nicht auch Erfahrungen, Meinungen und Einschätzungen? Und müssten diese dann nicht ebenfalls zur Beurteilung eines Urlaubs, eines Shops, einer Dienstleistung hinzugerechnet werden?

Was ist mit den Anbietern, deren Kunden einfach nur bewertungsfaul sind? Leisten diese folglich schlechtere Arbeit, haben den finanziellen Erfolg nicht verdient, nur weil sie keine bunten Sternchen hinter ihrem Angebot vorweisen können?

Und wie verhält es sich eigentlich mit den ganzen schlauen Statistiken, die genau herausgefunden haben wollen, dass „gekaufte“ Bewertungen tendenziell besser sind, als die sogenannten „echten“ Bewertungen? Haben sich dort Fake-Bewerter gemeldet und gesagt: „Ja, meine Bewertung ist gefälscht, rechnen Sie diese doch bitte einmal in Ihre Statistik ein“?

Nicht zuletzt: Sind die „echten“ Bewerter die einzig fachkundigen Personen? Sind sie nicht auch manchmal frustriert, ungeduldig, unaufmerksam, schwer von Begriff, wütend, enttäuscht oder geblendet von schicken Werbezugaben?

In unserem Bemühen, die Guten (den wütenden Kunden, der dem Händler wider gutes Wissen seine Meinung „geigen“ will?) von den Bösen (die Händler, die von uns allen quasi gezwungen werden, Bewertungen zu horten, um überhaupt am Spiel teilnehmen zu dürfen?) zu unterscheiden, vergessen wir manchmal, was Bewertungen und Rezensionen eigentlich sind: Meinungen Einzelner, denen wir uns anschließen können oder die mit unseren eigenen Erfahrungen überhaupt nicht übereinstimmen müssen.