Bewertungsmanagement ist Vertrauenssache

Wer sich Gedanken um seine Online-Reputation macht und dabei auch ein Augenmerk auf erhaltene Rezensionen und Bewertungen legt, hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Wie man es auch dreht und wendet: Gute Bewertung sind ein schlagkräftiges Verkaufsargument – dass überhaupt Online-Bewertungen für ein Unternehmen vorhanden sind, kann den Unterschied zwischen Sein und Nicht Sein ausmachen.

Ob dies fair ist oder nicht: Darüber brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, denn wir werden das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen.

Wenn alle Ideen ausgeschöpft sind, genügend Bewertungen zu generieren (und es gibt viele davon), wird sich der ein oder andere im Internet umsehen nach den Angeboten, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Wem man tatsächlich trauen kann und wer der eigenen Firma nicht letztendlich mehr schadet als nützt, lässt sich auf den ersten Blick oft nicht erkennen.

Vor allem, wenn man sich nicht bereits im Vorfeld tief in die Materie eingearbeitet hat. Was so einfach aussieht, erfordert sehr viel Hintergrundwissen, möchte man sich nicht ein böses Eigentor schießen.

Machen wir uns nichts vor oder reden lange um den heißen Brei herum: Bewertungsmanagement wird von Unwissenden und Bild-Zeitungs-Leser gerne pauschal in die Schmuddelecke abgeschoben. Und wie in jedem Business (seien es Immobilienmakler, Kfz-Händler oder sogar Banker) gibt es schwarze Schafe, die nur auf den schnellen Profit aus sind. Ob sie ihrem Kunden langfristig damit schaden, interessiert sie herzlich wenig. Nach mir die Sintflut …

Wen auch immer Sie beauftragen und wem Sie damit einen tiefen Einblick in Ihre Firmeninterna, Personalstrukturen oder sonstige vertrauliche Vorgänge ermöglichen, sollten Sie lieber mit Bedacht auswählen. Es sei denn, Sie gehören zu der Spezies des Unternehmer, die ebenfalls nur den schnellen Griff in die Portemonnaies Ihrer Kunden tätigen möchten. Dann können Sie sich guten Gewissens an den Anbieter wenden, der sich zum Dumpingpreis auf all Ihre Bedingungen einlässt.

Derjenige, der auch morgen noch gerne auf dem Markt zu finden sein möchte und sich möglicherweise sogar als Partner seiner Kunden versteht, sollte sich vor der Beauftragung eines externen Dienstleisters ein paar Fragen stellen. Und vielleicht sogar auf den ein oder anderen Rat hören …

 

Werden Sie also hellhörig, falls ihr zukünftiger Geschäftspartner:

 

  • über kein deutsches oder überhaupt kein vernünftiges Impressum verfügt

Selbstverständlich kann ein Business auch aus dem Ausland auf vernünftige und seriöse Weise geführt werden. Ein ausländischer Partner, der allerdings keinen tatsächlichen Bezug zu Deutschland oder den EU-Ländern hat, kann über die rechtlichen Bestimmungen hierzulande de facto schlecht oder gar nicht informiert sein. Im schlechtesten Fall ist er bei Konflikten überhaupt nicht mehr greifbar. Ein Impressum, dem die wichtigsten Bestandteile fehlen, wirkt nicht unbedingt vertrauenswürdig.

  • selbst Bewertungen abgibt oder Angestellte der Firma Rezensionen schreiben lässt

Hier liegen die Interessenkonflikte ganz klar auf der Hand – das Schreiben von Bewertungen gegen Bezahlung ist auf den meisten Plattformen untersagt. Im Übrigen werden die immer gleichen Wortlaute, die nach einer gewissen Zeit Einzug halten, schnell zu Zweifeln Ihrer Kunden führen.

  • Rezensionen abgibt, ohne das Produkt je gesehen zu haben

Damit begeben wir uns in den Bereich der Fakebewertungen und können Konflikte mit Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb hervorrufen.

  • sich darauf einlässt, Ihre eigenen, vorbereiteteren Bewertungstexte zu benutzen

So gut Ihre textlichen und schriftstellerischen Qualitäten auch sein mögen – letztendlich sind sie manipulativ und haben mit dem Produkt vermutlich nicht unbedingt etwas zu tun

  • Ihnen Bewertungen zum absoluten Dumpingpreis anbieten

Was auf den ersten Blick als eindeutiger Vorteil aussieht, entpuppt sich beim näheren Hinsehen vielleicht als absolute Null-Nummer. Wie vielleicht auch bei Ihren eigenen Produkten: Tiefstpreise oder Kampfpreise lassen sich meist nur durch zweifelhafte Qualität oder Massenabfertigung erzielen. Und welcher Dienstleister kann bei einer Stückzahl von 5€ halbwegs gute Arbeit abliefern. Selbstverständlich geht es immer billiger! Über die entsprechenden Ergebnisse sollte man sich hinterher allerdings nicht wundern.

  • Ihnen Zugang zu den Daten seiner Bewerter ermöglicht

Ein absolutes No-Go. Was in erster Linie sehr schnell, einfach und effektiv anhört, ist leider ein unhaltbarer Zustand. Wie ehrlich Sie es auch meinen: Eventuell werden Sie eines Tages mit der Frage konfrontiert werden, ob diese „Klüngeleien“ mit nötigen Objektivität vereinbar sind.

  • viele Löschungen seiner abgegebenen Bewertungen hinnehmen musste

Ganz klares Ausschlusskriterium: Hier wurde schlampig, nicht rechtskonform oder äußerst unintelligent gearbeitet.

 

Fazit:

Es gibt noch deutlich mehr Punkte, die Sie unbedingt bedenken und berücksichtigten sollten. Viele Bewertungen sind heute und vermutlich auch in Zukunft wichtiger denn je. Ob man allerdings Rezensionen und Bewertungen auf „Teufel komm‘ raus“, beim erstbesten Anbieter und ohne Verstand generieren sollte, ist mehr als nur eine Überlegung wert …

 

 

 

 

Bewertungen und Rezensionen kaufen oder nicht?

www.pixabay.com
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Bewertungen und Rezensionen sind heute wichtiger denn je. Dazu müssen wir nicht einmal Statistiken bemühen, die sich gerne widersprechen oder je nach Auftraggeber deutlich voneinander abweichen können. Nein, es genügt der gesunde Menschenverstand und eine gewisse Beobachtungsgabe. Für Händler lässt sich die Durchschlagskraft von Bewertungen ganz einfach an den Umsatzzahlen ablesen …

Egal, ob es sich um

  • Dienstleistungen
  • Hotels und Restaurants
  • Shop-Betreiber
  • Amazon-Verkäufer
  • Arbeitgeber
  • Ebay-Händler
  • stationäre Einzelhändler
  • Versicherungen
  • Energieanbieter
  • und, und, und

handelt. Der Trend bewegt sich hin zu immer mehr Bewertungen und ein Ende ist nicht absehbar. Zusätzlich wachsen Bewertungsportale wie Pilze aus dem Boden, denn jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben.

Aber auch das eigene Kaufverhalten ist von Meinungsäußerungen anderer abhängig. Wir sind nicht nur Unternehmer, sondern tagtäglich auch Konsumenten. Natürlich unterliegen wir dem Herdentrieb und orientieren uns an der Masse. Der informierte und kritische Verbraucher wird dies selbstverständlich anzweifeln und sicher auch andere Kriterien für eine Kauf-Entscheidung heranziehen. Aber blicken wir nur einmal auf die Werbeindustrie. Firmen, die viel Zeit und Geld in ihren guten Ruf investiert und sich immer wieder in Erinnerung gebracht haben, sind präsenter in unseren Köpfen. Mit der logischen Konsequenz, dass mehr Umsätze mehr Gewinne einbringen und diese wiederum zu einem höheren Werbeetat führen.

Online-Bewertungen sind ebenfalls Werbung für uns. Oder sollten es zumindest sein. Was professionelle Werbekaufleute versprechen, glauben wir nicht immer. Das Urteil unserer Mitmenschen kommt uns authentischer und ehrlicher vor. Aber auch nicht vorhandene Bewertungen lassen uns misstrauisch werden. Warum hat hier noch keiner gekauft? Habe ich ein wichtiges Detail übersehen? Existiert diese Firma überhaupt lang genug? Wo ist eigentlich der tatsächliche Firmensitz? Ach, ich gehe lieber auf Nummer Sicher und suche mir einen anderen Händler, bei dem bereits reichlich bestellt wurde!

Sprechen wir doch einmal offen das Dilemma an, in dem sich Anbieter heute befinden:

  • Keine Bewertungen zu erhalten bedeutet: Hier kaufen Kunden nicht gerne, niemand möchte der Erste sein und möglicherweise schlechte Erfahrungen machen
  • Negative Bewertungen zu erhalten kann – ganz besonders am Anfang – dafür sorgen, dass größtes Misstrauen besteht. Auch wenn es unberechtigt ist und den Verkäufer keine Schuld trifft: Hier kaufen Kunden nicht gerne, niemand möchte sein Geld verlieren
  • Bewertungen selbst „anzustoßen“ ist grundsätzlich verpönt. Hier fallen Stichworte wie Abmahnung, Schleichwerbung, Bewertungsbetrug und Ähnliches
  • Nichts tun, abwarten und Tee trinken? Zusehen, dass Mitbewerber an einem vorbeiziehen und einen immer größeren Marktanteil einheimsen? Dies widerspricht dem Unternehmertum per se.

Die perfekte Lösung? Es gibt sie nicht. Diese Fragen muss jeder für sich selbst be- und verantworten. Ein kleiner Tip? Denken Sie – egal wie Ihre Entscheidung ausfällt – an das Worst-Case-Szenario. Wenn Sie damit leben können, beantworten sich viele Fragen von selbst …