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Bewertungen für Ärzte – eine Werbemaßnahme?

Bewertungen für Ärzte – eine Werbemaßnahme?

stestoskop-64276_1280Während es Ärzten früher gänzlich untersagt war, Werbung für die eigene Praxis zu machen, macht der Fortschritt vor der Gesetzgebung nicht halt. Vor wenigen Jahren wurde das Werbeverbot für Ärzte in vielen Punkten deutlich gelockert.

Die strengen Bestimmungen wurden aufgeweicht und Ärzte mutieren von „Halbgöttern in weiß“ zu geschäftstüchtigen Praxismanagern. Kaum eine Praxis, in der nicht nur sogenannte IGeL(-Leistungen) angeboten, Nahrungsergänzungsmittel angepriesen oder Verfahren für Selbstzahler beworben werden. Welche Auswirkungen diese offensive Verkaufswerbung und -strategien auf das Vertrauen der Patienten hat, bleibt dahingestellt. Gedrängt bis manipuliert fühlt sich mancher, der es sich mit seinem Arzt nicht verscherzen möchte.

Das frühere nahezu bedingungslose Vertrauen in den Rat einer Autoritätsperson, ist oft deutlicher Skepsis und einem gesteigerten Informationsbedürfnis gewichen. Aggressive Werbung und Werbemaßnahmen von Ärzten sind nur einer der Gründe. Immer wieder ist in den Medien und – allem voran – auch im Internet von Pfuschereien, Schadenersatzklagen und Medizin-Skandalen zu hören und zu lesen. Was sich früher überwiegend hinter geschlossenen Türen abgespielt hat und nur in elitären Kreisen besprochen wurde, ist heute einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Transparenz ist in allen Bereichen auf dem Vormarsch.

Im Zuge dieser Veränderungen entsteht allerdings auch für Ärztinnen und Ärzte ein gewisser Druck, mit den Kollegen mitzuhalten. Wer sich aus den veränderten Bedingungen verschließt, gerät letztendlich ins Hintertreffen. „Wer nicht bei Google zu finden ist, existiert nicht“. Dieser Spruch gilt nicht nur für traditionelle Unternehmen. Während Ärzte früher überwiegend durch Mund-zu-Mund-Propaganda ausgewählt wurden, ist heute der Blick in die Suchmaschinen üblich. Welche Praxis in unmittelbarer Nähe liegt, wann diese geöffnet ist und welche Erfahrungen andere Patienten dort gesammelt haben, sind einige Suchergebnisse, an denen sich Hilfesuchende orientieren. Besonders in Großstädten ist diese Art, einen geeigneten Mediziner zu finden, effizient und an der Tagesordnung.

Folglich müssen sich auch Doktoren und Professoren, Tierärzte, Zahnmediziner und Heilpraktiker mit der Thematik der Werbung im Internet auseinandersetzten – oder jemanden damit beauftragen. Portale wie Jameda sind auf dem Vormarsch und stark nachgefragt. Unglücklicherweise ist die Berichterstattung einiger Nutzer nicht nur positiv. Es ist wiederholt die Rede davon, dass sich die Zielgruppe quasi „einkaufen“ kann, negative Bewertungen nicht veröffentlicht werden oder – auf Betreiben des betroffenen Arztes – wieder gelöscht werden können. Die Objektivität und das Vertrauen in diese Plattformen bleibt dabei natürlich auf der Strecke.

Wie bei allen Bewertungen gilt auch hier: Was ein einzelner Nutzer als relevant erachtet, muss nicht für andere verbindlich sein. Mit der Menge an Bewertungen steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein realistisches Bild über die tatsächliche Qualität der Praxis oder des Behandlers ergibt. Im besten Fall wird ein und dieselbe Person auf verschiedenen Plattformen bewertet, die über unterschiedlichen Trust und Regularien verfügen.

Im Zweifelsfall fragen Sie einfach Ihren Arzt oder Ihren Apotheker …