Online-Bewertungen: Händler im Zugzwang

Die bösen Händler: Mit gekauften, gefälschten, manipulierten, selbst geschriebenen, erschwindelten oder beauftragten Bewertungen und Rezensionen versuchen sie, den Kunden hinter das Licht zu führen und sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen.

Und Tausende von „Hausmeisterseelen“ stehen bereit, um sich an der Hetzjagd zu beteiligen. Das Thema, das mittlerweile einen langen Bart hat, wird in allen Medien immer wieder aufgegriffen und neu – oder nicht so neu – aufgekocht.

Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille und wir Verbraucher sind nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung:

  • Wir kaufen nicht dort, wo wir keine Bewertungen anderer Kunden finden können

  • Wir benutzen Bewertungen als Druckmittel

  • Wir lassen Dampf ab, wenn wir nicht das bekommen, was wir haben möchten

  • Wir spüren „Die Macht des Verbrauchers“ und sind selbst nicht immer ganz fair

  • Wir halten unsere eigene Meinung für absolut richtungsweisend

  • Wir verstecken uns hinter der Anonymität der Bewertungen

  • Wir schalten unseren kritischen Verstand ab

  • Wir laufen der Herde hinterher

  • Wir informieren uns nicht über Verbraucherrechte

  • Wir lassen uns zu unserem eigenen Vorteil zu Bewertungsabgaben hinreißen (Rabatte, Gewinnspiele, Einkaufsvorteile etc.)

 

Das Blatt hat sich gewendet und Verbraucher befinden sich in einer starken Position. Das wir z. B. mit überzogenen Rücksendungen und übertriebenen Forderungen gerade kleinen Unternehmen das Leben schwer machen, muss uns nicht belasten. Diese werden einfach sang- und klanglos vom Markt verschwinden.

Was bleibt, sind große Konzerne mit viel Geld in der Rückhand. Wer sich bereits einmal in der Hand eines mächtigen Telefon- oder Stromanbieters befunden hat, weiß was es bedeutet, wenn Quasi-Monopolisten regieren.

Wer schon einmal bei Ebay verkauft hat, weiß, wo sein Platz in der „Nahrungskette“ zu finden ist. Bei Streitigkeiten sind Händler (auch Privatpersonen) nahezu immer der zweite Sieger. Gerade beim „größten Auktionshaus der Welt“ hat sich die Schlinge für Anbieter immer weiter zugezogen. Ganze Existenzen sind durch die Regularien der Plattform und durch den Zwang zu PayPal schon ruiniert worden. Denn plötzlich herrschen andere Gesetze – strikter als die Gesetzgebung unseres Landes. Ob hier immer die Händler die Alleinschuld getroffen hat?

Wir werden immer manipulierbarer und unselbständiger. Können wir keinen Urlaub mehr buchen und uns vor Ort ein Urteil bilden? Müssen wir nur noch dort hinfahren, wo vor uns schon 10.000 andere Urlauber waren? Ist ein Arzt, der nicht auf den Internetplattformen bejubelt wird, kein guter Arzt mehr? Können wir bei einem Fehlkauf nicht mehr selbst für unsere Rechte einstehen? Werden Großkonzerne nicht immer mächtiger, in dem wir unsere persönlichen Daten für lächerliche „Irgendetwas-Punkte“ völlig kritiklos herausgeben?

Glauben wir tatsächlich, dass irgend welche Testberichte im Internet oder in Zeitschriften auf völlig uneigennützige Weise und absolut unbeeinflusst entstehen? Ist jedes Lebensmittel, das uns Gesundheit und Wohlbefinden garantiert, wirklich unserer Gesundheit zuträglich?

Bitte aufwachen!

Anstatt mit dem Finger auf die „bösen“ Händler zu zeigen, sollten wir überdenken, ob unser Kaufverhalten nicht manchen Anbieter in Zugzwang bringt …

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