Kaufen bei Amazon, Ebay & Co.?

Auch am uninformiertesten Verbraucher gehen die Schlagzeilen über Amazon, Ebay und andere Verkaufsplattformen nicht vorbei!

Die Rede ist von

  • Datensammelwut und Missachtung von Datenschutzbestimmungen
  • Ausbeutung der Mitarbeiter
  • Rechtsbrüchen
  • Steuerhinterziehung
  • gefälschten Bewertungen
  • betrügerischen Aktivitäten einiger Verkäufer
  • Verdrängungswettbewerb
  • u. a.

Viele Händler, die Ihre Artikel auf den Portalen anbieten, haben nichts zu lachen. Welche Kosten auf sie zukommen, in wie weit sie in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt werden und welchen hässlichen Regularien sie sich zu unterwerfen haben, können nur Insider in der Gänze erfassen. Für viele Unternehmen heißt es: „Augen zu und durch“ oder „Friss oder stirb“.

Die spannende Frage, die sich stellt: Warum kaufen wir dennoch bei den Multis ein und warum beißen viele Firmen trotzdem in den sauren Apfel?


Die Antwort auf der Käuferseite: Weil es uns so unsagbar einfach gemacht wird!

 


Das beste Beispiel sind zur Zeit unsere Weihnachtseinkäufe. Wer darauf verzichten möchte, sich durch überfüllte Innenstädte zu quetschen und mit Tausenden anderen um die wenigen Parkplätze zu streiten, bestellt gerne online. Wer in ländlichen Regionen lebt und keine Lust hat, in die Großstädte zu strömen, hat teilweise keine andere Wahl als besondere Geschenke über das Internet zu ordern. So weit, so simpel!

Wer jetzt allerdings auf die Idee kommt, den Schnellkochtopf für Oma Hilde, die Modelleisenbahn für Schwager Holger und die Hardware für den kleinen Neffen auf einmal zu bestellen, wird keine rechte Freude mehr an dieser Idee haben. Man kann sich durch gefühlte 300 unterschiedliche Shops mit diversen Liefer- und Zahlungsbedingungen, AGB, Sortimenten, Sales und Rabatten durchwühlen und ist dennoch nicht schlauer als vorher. Ganz zu schweigen von der „verplemperten“ Zeit.

Überall muss man sich neu mit einem ganzen Schwall von persönlichen Daten anmelden, Passwörter erfinden, möglicherweise noch Mindestbestellwerte beachten und einen, nur einen einzigen Artikel zusätzlich finden, um von der Versandkostenfreiheit zu profitieren.

Warum dann nicht gleich zurück zu Amazon und Ebay? Dort erhält man alles aus einer Hand!

Und noch mehr haben die Monopolisten richtig gemacht:

  • Die Plattformen sind optisch ansprechend und relativ intuitiv zu bedienen. Bei manchem selbtgeklöppelten Online-Shop erträgt man das Design kaum mehr als ein paar Sekunden – alle wichtigen Informationen werden von nervigen Pop-Up-Fenstern immer wieder überdeckt. Nein, ich habe jetzt gerade keine Zeit mit Susi zu chatten und ich brauche auch keinen Newsletter für die stets aktuellen Hamsterkäfige. Nett gemeint, aber zuviel ist einfach zuviel!
  • Die Rückkehr zu Amazon & Co. wird immer wieder belohnt. Ich finde meine eingegebenen Daten und das gewohnte Design auch nach kleinen Änderungen schnell wieder.  Weder muss ich mich neu verifizieren, noch mich  in meinem Spam-Filter nach irgend welchen Nachrichten umsehen. Man kennt sich einfach und nach und nach, wird die Lieblingsplattform zum Maß aller Dinge.
  • Die Rückgabebedingungen sind sehr kundenorientiert. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bekomme ich als Kunde Recht, auch wenn ich im Unrecht bin. Und es existiert tatsächlich eine Firma hinter dem Account, an die ich meine Fehlkäufe zurücksenden kann. Bei chinesischen Händler in der Praxis nämlich durchaus schwierig – für Amazon-Kunden kein großes Problem.
  • Was immer man von Kundenbewertungen, Reviews und Rezensionen halten mag: Die meisten davon findet man bei den großen Portalen und kaum jemand, der nicht zumindest einmal einen Blick auf die Meinung anderer Käufer wirft.

Und was springt für die Händler dabei raus?


Die Anworten auf der Händlerseite sind nicht ganz so euphorisch!

 


  • Sicher gibt es den ein oder anderen Verkäufer, der sich vollkommen in die Hand von Ebay & Co. begibt. Dieser Personenkreis benötigt nicht einmal eine eigene Homepage, keine großartigen AGB, keine kostenintensiven Lagermöglichkeiten, keine Vereinbarungen mit Zahlungsdienstleistern und, und, und …
  • Die Global-Player verfügen über ein grandioses Ranking (danke liebe Händler und Kunden) und sind bei der Keyword-Suche des Kaufwilligen meist ganz oben zu finden. Warum also noch lange weitersuchen, wenn man das Ergebnis im Handumdrehen gefunden hat?
  • Die Margen der Händler sind durch die hohen Kosten der Portale, die kompromisslosen Rücknahmebedingungen und die vielen Mitbewerber überschaubar. Allerdings macht es hier dann die Menge, denn die Anzahl der potentiellen Kunden ist gewaltig.

Wie sieht der Weg in die Freiheit für Shop-Betreiber aus?

Dieser Prozess ist eher steinig und nicht von heute auf morgen zu bewältigen. Er führt immer über ein exzellentes Ranking der eigenen Internetseite, meist die Etablierung einer Marke und den strategischen Einsatz der großen Plattformen. Manche Firmen vertreiben nur einzelne Produkte bei Amazon & Co., bauen so Bekanntheit und Trust auf und überzeugen Kunden mit einem tollen Kauferlebnis. Nach und nach wird der Käufer sich an diese Erfahrung erinnern (und es gibt Mittel und Wege, diese Erinnerung immer wieder aufzufrischen) und zur treuen Stammkundschaft zählen. Denn es gibt tatsächlich Menschen, die die Monopolisten aus guten Gründen meiden.

 

 

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