Warum werden Bewertungen gelöscht?

Ein Ärgernis nicht nur für den Kunden, sondern auch für viele Shopbetreiber und Dienstleister, die auf Kundenbewertungen angewiesen sind: gelöschte Bewertungen und Rezensionen …

Längst nicht jeder Käufer macht sich die Mühe oder nimmt sich die Zeit, einen Kauf zu bewerten. Und wer sich dennoch über ein Produkt ärgert oder freut, wird mit der Löschung seiner Bewertungen nicht wirklich zu weiteren Äußerungen animiert. 

Teilweise geht die Verärgerung so weit, dass dem meist unschuldigen Händler unterstellt wird, er habe seine Hände im Spiel und ein weiterer Kauf wird bei diesem Verkäufer kategorisch ausgeschlossen. Doppelt ärgerlich!!!

Die Gründe, warum Bewertungen gelöscht oder überhaupt nicht veröffentlicht werden sind unglaublich zahlreich. Einige Punkte können wir Ihnen jedoch aus unserer Praxiserfahrung nennen

  • Löschung auf Grund einer gerichtlichen Anordnung

Dies kommt dann vor, wenn sich ein Verkäufer durch ein Gerichtsurteil zur Wehr setzt (z. B. Rufschädigung in der Rezension)

  • Löschung auf Grund der Einschaltung eines Rechtsanwaltes

Manches Mal kommt es nicht erst zu einem Gerichtsverfahren. Die Einschaltung eines Rechtsbeistandes genügt in vielen Fällen, um Beleidigungen und Verleumdungen entfernen zu lassen

  • Systembedingte Gründe

„Maschinen sind auch nur Menschen“. Bei großen Portalen werden Kundenbewertungen nicht mehr „von Hand“ durchgelesen, sondern maschinell ausgesiebt. Dabei kann es zu Löschungen kommen, die eigentlich nicht beabsichtigt sind bzw. für die es keine inhaltlichen Gründe gibt

  • Bewertungen können zu kurz oder zu lang sein

Damit stehen sie im Verdacht, gefaked zu sein oder entsprechen nicht den formellen Vorgaben der Plattformen

  • Löschung durch den Shopbetreiber

Shopbetreiber, die eine internes Bewertungssystem erarbeitet oder installiert haben, sind Herr im eigenen Haus. Somit sind sie auch in der Lage, unliebsame oder unfaire Kundenbewertungen zu eliminieren

  • Löschung durch Plattformen auf Grund von Eigeninteressen

Eigentlich ein Skandal: Gewisse Portale nötigen ihre Mitglieder, ein Upgrade zu kaufen. Nur wer dazu bereit ist, kann auch mit der Löschung von negativen Bewertungen rechnen. Wer dazu nicht bereit ist, bleibt auf unliebsamen Äußerungen sitzen. Tja, wo kein Kläger, da kein Richter!

  • Ein Verkäufer oder Dienstleister erhält zu viele Bewertungen in zu kurzer Zeit

Ob es nun einen tatsächlichen Grund gibt oder nicht: Hier wird Bewertungsmanipulation unterstellt und die Rezensionen werden kurzerhand einfach gelöscht. Leider sind auch hier überwiegend „Maschinen“, also eine Software am Werk, die keinen Diskussionsspielraum offen lassen

  • Ein Produkt erhält zu viele „nicht verifizierte“ Kundenbewertungen

Eine Amazon-Spezialität: Amazon selbst stellt zu viele nicht verifizierte Bewertungen in Frage (Stand 31.10.17)

„Sie können bis zu 5 Rezensionen pro Woche verfassen, die nicht mit dem Zusatz „Verifizierter Kauf“ versehen sind. Die Berechnung der Anzahl erfolgt dabei von Sonntag 00:00 Uhr bis Samstag, 23:59 Uhr.“

Noch unangenehmer ist allerdings, dass der Multi auch Hinweise von Kunden oder missgünstigen Mitbewerbern erhält.  Dann starten die großen Löschungsaktionen, die in Tabula-rasa-Manier alle Rezensionen für ein Produkt (im schlimmsten Fall für den Verkäufer an sich) platt walzen. Dabei wird keine Rücksicht mehr genommen auf „echte“ oder vermeintliche Fake-Bewertungen. Der Verkäufer ist entsetzt und der ehrliche Kunde ärgert sich.

  • Die Rezensionen sind zu positiv

Positive Bewertungen abzugeben ist kein Problem an sich.  Die meisten Menschen machen sich erst die Mühe zu rezensieren, wenn sie wirklich zufrieden und angenehm überrascht sind. Wer es allerdings übertreibt, aber keine stichhaltige Begründung liefert, warum die neuen Schnürsenkel das Leben total ins Positive verändert haben, wird schnell der Gefälligkeitsbewertung verdächtigt.

  • Versand und Lieferbedingungen werden besprochen

Eine weitere Amazon-Spezialität: Amazon möchte dazu nichts in den Produktbeschreibungen lesen. In der Produktbeschreibung soll es sich ausschließlich um das Produkt an sich handeln.

  • Die Bewertung ist zu negativ

Einer negativen Bewertung kann mit man mit etwas Sachverstand entnehmen, ob sie tatsächlich den Artikel beschreibt oder ob sie nur dazu verfasst wurde, um den Anbieter „in die Pfanne zu hauen“.  Auch hier ist wieder eine stichhaltige Begründung okay – Gemeinheiten, Boshaftigkeit und Beleidigungen führen oft zu einer umgehenden Löschung.

  • Nennung von Namen, persönlichen Daten, Anschriften

Ganz klar: Sie können sich über die Firma XYZ ärgern. Dass allerdings ein spezieller Mitarbeiter mit Namen oder Kontaktdaten nicht verunglimpft werden darf, versteht sich eigentlich von selbst.

Mit einem geschulten Auge kann man in fast allen Fällen sofort sehen, warum eine Bewertung oder Rezension gelöscht wurde. Eine völlig ungerechtfertigte Löschung ist uns selbst bereits passiert. Wie sich alles in Wahrheit zugetragen hat, lesen Sie hier.

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