Rezensionen für Bücher und Ebooks kaufen?

Rezensionen für Bücher und Ebooks kaufen?

Früher war alles schlechter

Als das Buchgeschäft noch in der Hand von Verlagen war, war es – besonders für Neulinge und Erstlingswerke – äußerst schwierig, veröffentlichen zu können. Einer der Gründe war, dass sich erst einmal ein Verleger oder Verlag finden musste. Es existierten gefühlt unendliche Formvorschriften und neue Autoren mussten von Pontius zu Pilatus pilgern, um überhaupt Gehör zu finden oder jemanden, der sie unter die Fittiche nahm. Viele Verlage waren spezialisiert (z. B. Sachbücher, Romane) und so war es die Aufgabe der Verfasser erst einmal herausfinden, wer als Verleger überhaupt in Frage kam. An der richtigen Stelle angekommen, musste erst einmal jemand Zeit finden, das eigene Werk zu lesen und zu begutachten. Vom Einreichen des Manuskriptes bis zur endgültigen Zu- oder Absage konnten (und können) Monate vergehen. 

Eine Absage muss kein Qualitätsurteil sein, aber aus eigener Erfahrungen wissen wir, wie sehr einen ein NEIN persönlich treffen kann. Üblicherweise steckt in jedem Buch, Artikel oder Text ein klitzekleines Stück von uns selbst. Hier professionell und abgebrüht zu bleiben, fällt den meisten Verfassern äußerst schwer. Wie sagte schon der großartige Marcel Reich-Ranicki?

„Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal, ob Autor oder Kritiker – Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts.“

Selbst bei einer Zusage war allerdings noch nicht alles Sonnenschein: Große Verlage haben große Rechtsabteilungen. Und so ist es für einen Newcomer nicht einfach, die Fairness eines Vertrages zu überprüfen. Im Übrigen ändern sich die Tantiemen auch mit dem Bekanntheitsgrad. Dies alles kann dazu beitragen, dass der angehende Schriftsteller ins Hintertreffen geriet.

Früher war alles besser

Was auch immer früher schlechter gewesen sein mag: Die Verlagshäuser nahmen die Schreiber an die Hand und kümmerten sich um das Marketing!

Heute kann wirklich jeder als Selfpublisher tätig werden und sein Ebook auf unzähligen Plattformen veröffentlichen. Leider ist die Auswahl fast erschlagend, jedes Portal hat seine eigenen Bedingungen und wer bis dato noch nichts mit Marketing „am Hut“ hatte, wird sich wundern, wie anstrengend und zeitraubend diese Arbeit sein kann. Alleine mit dem Einlesen in die Materie kann man Wochen verbringen. Ob man sich dann auch für die geeigneten Maßnahmen entschieden und sehr gut nachgerechnet hat, bleibt dahingestellt.

Bücher können natürlich auch über die sozialen Medien (Facebook, Twitter, Pinterest, Google etc.) beworben werden. Dazu sollte man allerdings mit den Plattformen sehr gut vertraut sein. Denn bezahlte Werbeaktionen können sonst ganz schnell zu Geldvernichtungsmaschinen werden, die keinerlei Verkäufe erzielen. Wer auch hier sparen und alles selbst machen möchte, bezahlt am Ende denoch: mit seiner kostbaren Zeit! Denn ein paar Posts bei Facebook abzusetzten, genügt leider nicht. Eine interessierte Community will zuerst aufgebaut und vor allen Dingen ständig gepflegt und betreut werden. Das Ganze auf 5 Plattformen (denn besonders als Anfänger weiß man meist nicht genau, wo sich die potenziellen Käufer aufhalten) bedeutet dann auch Zeit- und Arbeitsaufwand x 5.

Die Königsdisziplin ist heutzutage, ein Ebook oder Buch bei Amazon zu verkaufen. Momentan gibt es kein Medium, welches eine größere Reichweite hätte! Früher oder später kriegen wir Euch, denn auch wer ein gespaltenes Verhältnis zu diesem Anbieter hat, wird angesichts der Marktmacht irgendwann einknicken und seine hehren Prinzipien über Bord werfen …

Bewertungen für Bücher kaufen?

Leider sind wir mit der Eröffnung eines Verkäuferkontos bei Amazon noch nicht im gelobten Land angekommen. Dem Verkäufer steht die mehr oder weniger spannende Aufgabe bevor, sich zuerst einmal in die Materie und die Preisstrukturen des Anbieters einzuarbeiten. Klingt einfach – ist es aber nicht. Wer dann aber noch diese letzte Hürde genommen hat, kann sich leider nicht so entspannt zurücklehnen, wie es gerne propagiert wird. Das Buch ist online, aber – um Himmels Willen – keiner kauft es oder interessiert sich dafür.

Der Grund: Auch bei Amazon gibt es ein internes Ranking! Literatur, die offensichtlich keiner kauft und keiner haben möchte, erscheint am Ende der Suchergebnisse. Genauso vernichtend wie in den Ergebnissen der großen Suchmaschinen.

Obwohl es offiziell nicht gestattet ist, werden sich vermutlich einige Familienmitglieder finden lassen, die den Kauf ein wenig ankurbeln können. Aber dies ist Einigen nicht nur ziemlich peinlich, sondern das Feld ist meist relativ schnell abgegrast. Wie der unbedarfteste Verkäufer heute weiß: Ohne Bewertungen und Reviews wird es äußerst schwierig bzw. nahezu unmöglich, sich im Ranking nach oben zu arbeiten.

Ob man nun zu stolz, zu korrekt, zu ehrenhaft, zu ehrlich, zu fair oder absolut gesetzesform ist und bleiben möchte: Wer kann einem Verkäufer schon verdenken, wenn er auf die Idee kommt, mit gekauften oder – schöner formuliert – initiierten Bewertungen ein wenig schneller zum Ziel zu kommen?

 

 

 

 

 

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