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Judgment day, liebe Ärzte

Auch wenn es nichts ändert – es muss jetzt einfach raus. Heute ist judgment day, liebe Ärzte.

Um es vorweg zu schicken: Als Unternehmerin bin ich durchaus im Bilde über den täglichen Existenzkampf. So ein Porsche fährt auch nicht mit Wasser, eine Villa mit 17 Zimmern will gerade in unseren Breitengraden beheizt werden und wer will schon im Golfklub negativ auffallen, weil er sich den Champagner offensichtlich nicht mehr leisten kann …

Auf der anderen Seite stehen wir Dummies: die Patienten, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Ungeschickterweise kommen wir zu Euch, weil wir Schmerzen haben, verletzt sind, Angst um unsere Familien und unsere eigene Existenz haben müssen. Leider sind wir somit in schlechter Form und nicht so wehrhaft und durchsetzungsfähig wie üblich. Wir, das sind oft intelligente, starke, erfolgreiche Menschen. In Führungspositionen, Firmeninhaber, verantwortlich für Wohl und Wehe von Mitarbeitern. Wir arbeiten hart und oft zu viel und besonders die Selbstständigen und Unternehmer unter uns, unter Missachtung aller körperlichen Signale. Sehr oft am Limit, gerne mal auch am Rande des Wahnsinns oder eines Burn Outs oder beidem.

Warum? Weil wir es können, es unsere Leidenschaft ist oder es einfach müssen. Die Finanzämter sind nicht gerade für ihren Humor bekannt. Falls es nicht Allgemeinwissen ist, wovon ich einmal ausgehe: Normalsterbliche zahlen zusätzlich Gewerbesteuer.

Nun landen wir in Euren Praxen und werden gleich einmal kategorisiert. Die Privatpatienten und das Fußvolk. Nebenbei bemerkt: Ich persönlich zahle 730 € Krankenversicherung, alleine, aus eigener Tasche, ohne Arbeitgeberanteil. Und bin – man höre und staune – ein lausiger Kassenpatient! Ich hatte mich aus guten Gründen eines Tages dafür entschieden, freiwillig in der gesetzlichen Kasse zu bleiben. Habe ich daher keine vernünftige ärztliche Betreuung verdient?

Wie dem auch sei – die 1. Hürde sind mitunter nicht mit Intelligenz gesegnete, aber machthungrige und lustlose Sprechstundenhilfen. Man hört deren genervtes Stöhnen teilweise bereits am Telefon, wenn man es auch nur wagt, um einen Termin zu bitten. Selbst Flehen nützt manches Mal nicht, denn jetzt ist eben Raucherpause.

Schlecht, wenn man mit einem vehement ausbreitenden, juckenden, nässenden Hautausschlag, dessen Herkunft man nicht kennt, auf einen Termin in ca. 4 Monaten vertröstet wird. Noch schlechter, wenn man mit einem Trümmerbruch wieder weggeschickt wird, weil man sich auch einmal „zusammenreißen kann“. Nein, hier geht die Fantasie nicht mit mir durch. Den Trümmerbruch kann ich belegen.

Warum auch immer man einen Termin vereinbaren muss, ist mir bis heute schleierhaft. Unter 2 Stunden Wartezeit macht es kaum es eine Praxis. Außer mein hochgeschätzter Zahnarzt, aber das ist eine andere Geschichte. Ich frage mich langsam, wie das sein kann? Seit Jahren musste ich dort nicht länger als 5 Minuten warten. Wie macht das dieser Mann bloß? Geht doch, oder? Und bitte jetzt nicht die ewige „Notfallstory„. In jeder Praxis dieses Landes, an jedem Tag, den Gott werden lässt, stürzen sich etliche Notfälle auf die Ärzteschaft jeder Fachrichtung? Ich bitte Sie!

Die Lateiner unter uns wissen natürlich wo sich das Wort Patient herleitet und so freut man sich ungemein, in engen Wartezimmern zwischen (anderen) Bazillenschleudern eingepfercht zu sein und die gleiche schlechte Luft zu atmen. Zur Kurzweil findet man sicher eine Ausgabe der „Frau im Koma„. Sollte jemals ein interessanter Artikel darin abgedruckt gewesen sein, so kann man sich darauf verlassen, dass dieser schon vor Monaten von anderen Leidenden herausgerissen wurde. Schnell vor die Tür gehen, die Parkuhr in unerlaubter Weise nachjustieren oder später wieder kommen? Todesmutig, denn die Reihenfolge der Wartenden könnte sich blitzschnell zu unseren Ungunsten (und ausschließlich in diese Richtung) verändern … Daher wird die heimtückische Frage der Sprechstundenhilfe, ob man vielleicht noch etwas zu erledigen habe, meist kategorisch verneint.

Und was könnte man sonst auch Wichtiges zu erledigen haben? Die Steuererklärung machen? Die zwischenzeitlich aufgelaufenen 80 E-Mail abarbeiten? Mit dem Finanzamt oder der Telekom telefonieren? 17 Kundenaufträge abarbeiten? Papperlapapp, in weiser Voraussicht haben wir uns doch zur Sicherheit den ganzen Tag freigenommen.

Wird man dann endlich zum jeweiligen Halbgott in Weiß vorgelassen, sollte man sich äußerst kurz fassen. Die Leute haben schließlich zu tun! Denn Mittwoch ist grundsätzlich geschlossen, Freitag geht es maximal bis Mittags und einen Termin in den großzügigen Ferienzeiten zu erwarten ist doch wohl ein wenig blauäugig!

Bevor man überhaupt eine tiefer gehende Frage stellen kann, findet man sich mit einem Rezept wieder auf der Straße. Ob man noch andere Medikamente nimmt und wie das Präparat wirkt, ist äußerst selten von Belang.

Ach ja, nicht zu vergessen: die IGELeistungen. Dafür sollte man doch noch unterschreiben und sich gründlich überlegen, ob man nicht noch ein bisschen Geld da lassen möchte.

Auch gerne genommen: „Wir haben keinen Termin für Sie. Gehen Sie doch einfach in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses“.

Schon klar! Dort kann man sich auf jeden Fall mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, dass man nur so unverschämt ist und auf keinen Arzttermin warten möchte. Und das Interesse eines behandelnden Mediziners, der einen vermutlich niemals wieder im Leben sehen möchte, ist selbstredend unglaublich groß. Also – was soll das???

Tja, liebe Ärzte, und dann geschieht, was geschehen muss: Ihr kassiert eine negative Bewertung! Dann ist das Gejammer groß und manch einer wendet sich an mich und meine Firma. Gut, wir helfen gerne, wenn wir können. Und schicken niemanden mit einem Termin in 12 Wochen wieder weg. Manchmal können wir helfen – meistens jedoch nicht, weil wir keine Ärzte sind, sondern glauben, eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Kunden zu haben.

Und ich muss leider noch nachschieben: Ärzte halten sich leider auch im Allgemeinen für allwissend. Sorry, ich muss Euch enttäuschen. Hier sind wir die Fachleute und manches Mal könnte ich lachen über so viel Unwissenheit und Naivität. Keine Ahnung, wie man eine schlechte Reputation in der Online-Welt wieder herstellt? Keine Ahnung, wo die rechtlichen Grenzen für beide Seiten liegen? So viel Angst vor Google und Jameda? Hallo Leute, einfach mal out of the box denken oder vorher jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Aber bitte nicht vergessen: Auch Online-Marketer können nicht für Gotteslohn arbeiten und deren Rat kann manchmal unbezahlbar sein. Sollte das nicht sonnenklar sein?

Tja, liebe Ärzte, jetzt mal ganz unter uns: Kann es nicht sein, dass so mancher Mediziner einfach eine (oder mehrere) schlechte Bewertungen redlich verdient hat??? Vielleicht gibt es doch so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit.

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