Bewertungen kaufen vs. ordentlich abliefern

Bewertungen kaufen vs. ordentlich abliefern

Langsam werde ich echt stinksauer. Was sich einige Händler erlauben, geht auf keine Kuhhaut mehr.

Eigentlich bin ich ein Freund vom Einkauf im stationären Einzelhandel, aber aus diversen Gründen funktioniert das nicht immer:

  • Zeitmangel, denn durch die Gegend zu gondeln, um einen Büromöbelmarkt zu finden, ist ein langwierigeres Projekt

  • Unwillen, sich durch Großstädte zu wälzen und ewig im Stau zu stehen

  • geografische Lage, denn wer am A … der Welt wohnt, tut sich mit manchen Artikeln einfach schwer

  • Angebotsvielfalt im Netz, aber nur, wenn die Bestellung auch funktioniert

Aus einer Kombination o.a. Gründe habe ich versucht, in den letzten Wochen einige Dinge online zu regeln bzw. zu bestellen. Die Betonung liegt auf „versucht“.

Ich hatte nicht in „kleinen Klitschen“ bestellt, sondern in – auf den ersten Blick – renommierten Unternehmen.

Davon abgesehen bin ich selbst wieder auf die Google-Suche hereingefallen. Ich müsste es eigentlich besser wissen, habe mich allerdings wie Lieschen Müller vor dem PC verhalten: Die ersten Suchergebnisse werden die besseren Ergebnisse zeigen. Ich bin zwar erfolgreich im Online-Marketing, aber in meiner Rolle als Kunde, die ich dann unbewusst einnehme, einfach blind für die Tatsachen:

In den Suchergebnissen ganz vorne zu sein, sagt nichts über die Qualität und Leistungsfähigkeit einer Firma aus. Dank Google und SEO.

Whatever!

Ich wollte bei ARAL eine Tankkarte kaufen. Tolles Angebot und großartige Geschenkidee – eigentlich. Nachdem ich fast eine Stunde auf der Seite verbracht habe mit dem Versuch unser Firmenlogo in die Maske reinzufummeln und anderen nervigen Konfigurationen, kam ich endlich auf der Bestellseite an. Ich liebe es, wenn ich im übertragenen Sinne meine Geburtsurkunde, das letzte Schulabschlusszeugnis und eine aktuelle Schufaauskunft besorgen muss, um mein Geld loszuwerden. Also ich dann noch dazu genötigt werden sollte, irgend etwas als PDF runterzuladen, zu unterschreiben und es dann wieder einzuscannen, ist mir der Geduldsfaden gerissen. Was bildet ihr Euch eigentlich ein? Erzählt das dem Kunden von Anfang an und er muss seine Zeit nicht verplempern.

Das gleiche Spiel, nur in jeweils anderen Variationen bei:

  • Alois Dallmayr in München

  • FloraPrima Blumenversand

  • Büroshop24 GmbH

  • und, besonders enttäuschend, Schäfer Shop GmbH

Entweder:

  • wird Ware verkauft, die gar nicht vorhanden ist, aber wochenlang mit Kundengeldern gearbeitet

  • ist der Verkauf nur mit absolut unnützen Nachweisen möglich

  • sind die Zahlungen nur mit exotischen Zahlungsoptionen möglich

oder:

  • Liefertermine werden versprochen, aber nicht eingehalten

  • im Shop werden alle möglichen Daten abgegriffen, um ganz zum Schluss zu erfahren, dass nicht einmal in unsere Nachbarländer verschickt werden kann

  • der Händler kann oder will nicht liefern, verkauft die Daten aber sofort weiter (gerne im Kleingedruckten versteckt!)

Leute, mal unter uns Pfarrerstöchtern:

Könnt ihr Euren Job nicht ordentlich erledigen? Usability checken lassen? Fähige Online-Marketer beschäftigen? Usability checken lassen? An den Kunden denken? Usability checken und nicht nur den Lehrling eine Bestellung ausführen lassen? Habt ihr die Zeichen der Zeit nicht erkannt oder sind wir Euch als Kunden einfach absolut egal? Gibt es noch irgendwo Engagement oder nur noch Dienst nach Vorschrift?

Dann würden 50 % weniger Bewertungen gekauft werden müssen, weil ihr sowieso schon super seid.

Und – traurig aber wahr – leider fange ich an, Amazon immer mehr zu lieben. Amazon ist ganz gewiss kein Sozialhilfeverein und bietet dem Kunden kein gutes Einkaufserlebnis pro bono.

Allerdings merkt man deutlich den Unterschied zu tausenden Online-Händlern: Man fühlt sich weniger für dumm verkauft als anderswo.

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