Aug. 2017 Neue Amazon-Regel: Wozu?

Die Tücke liegt im Kleingedruckten: Der Versandriese Amazon hat einen Passus hinzugefügt bzw. seine Regeln wieder einmal geändert. Klammheimlich, weil die Kunden nicht informiert wurden. Steht ja alles im Kleingedruckten …

Was ist neu?

Berechtigung

Um Kundenrezensionen oder Kundenantworten erstellen zu können, müssen Sie über Ihr Amazon-Konto Artikel für mindestens 50 EUR eingekauft haben. Die Mitgliedschaft bei Amazon Prime und die Nutzung von Aktionsgutscheinen zählen nicht dazu. Sie müssen diese Anforderung jedoch nicht erfüllen, um Kundenfragen zu stellen, Profilseiten und Listen zu erstellen oder zu ändern, oder Inhalte von anderen Kunden lesen zu können.

Wie jetzt? Fragen über Fragen:

  • Ist Amazon nun die einzige Plattform, auf der man sich eine Berechtigung erkaufen muss, um seine Meinung kund zu tun? Andere Portale sind uns persönlich nicht bekannt, die einen Mindestbestellwert fordern. Bei Ebay kann man sogar für einen 1€-Kauf eine Bewertung hinterlassen, bei Immobilienportalen muss überhaupt kein Artikel erworben werden.
  • Warum ist der Käufer (vielleicht sogar kauf- und lebenserfahrene Menschen der Generation 50+), der erstmaligen einen Artikel über die Plattform einkauft, auf einmal nicht mehr in der Lage, ein qualifiziertes Urteil abzugeben?
  • Wird hier weiter an den „nicht verifzierten“ Bewertungen oder Rezensionen geschraubt? Wer nicht bei Amazon kauft, kann natürlich sein Produkt auch nicht dort bewerten …
  • Soll der Kunde eingefangen werden, der extrem selten oder überwiegend Kleinpreisartikel bestellt. „Du musst mehr bestellen, damit Du Dich äußern darfst“?
  • Wie geht es Händlern und Verkäufern, die neu auf dem Markt sind? Eine Hürde für diese Unternehmen ist, das erste Bewertungen zu erhalten, kein einfaches Unterfangen ist. Mit der neuen Grenze von mindestens 50€ wird es ihnen sicher nicht leichter gemacht.  Falls Neukunde und Neuverkäufer aufeinandertreffen, wird es im Kleinpreissegment nicht einfacher. Findet sich endlich einmal ein bewertungswiller Kunde, ist er durch die neue Grenze vielleicht auch schon wieder ausgesiebt? Dazu kommt: Wem es unnötig schwer gemacht wird, seine Meinung abzugeben, verzichtet in Zukunft einfach darauf.
  • Warum ist eine Angebotsstreuung überhaupt wichtig für uns als Verbraucher? Stichworte: Marktmacht und Monopolismus. Die Folgen zeigen sich deutlich in der Pharma- oder Automobilindustrie.
  • Aus welchem Grund  eigentlich eine Grenze von 50€? Wieso nicht 20€ oder 100€?

Wir wissen es nicht und eine Anfrage bei Amazon ist uns zu mühsam. Man könnte ebenso eine verbindliche Auskunft bei Telekom oder DHL erfragen wollen …

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