Amazons Bewertungssystem: Welche Rolle spielen die fünf Sterne für Händler?

Amazons Bewertungssystem: Welche Rolle spielen die fünf Sterne für Händler?

Amazon ruft Kunden seit rund einem Jahr dazu auf, neue Produkte auf der Handelsplattform nach dem Kauf zu bewerten. Das scheint zu zeigen, dass besonders die Menge der Bewertungen für den Relevanz-Algorithmus bedeutsam ist. Aber welche Rolle spielt die Bewertung für die Händler wirklich? Vertrauen Kunden den fünf Sternen?

Neue Verkäufer haben es schwer, im Amazon-Bewertungssystem gut anzukommen. Darum hatte der Onlinehändler bereits 2017 das Early-Reviewer-System eingeführt, um die Zahl der Bewertung für neue Produkte zu steigern. Die Praxis hat gezeigt, dass die Kombination aus guter Bewertung und vielen Bewertungen Kunden eher zu einem Produkt greifen lässt. Aber schauen sie sich auch den bewerteten Händler an?

Bewertungen machen attraktiv

Die Psychologie der Empfehlung wirkt. Ein Produkt, das seit Jahren verfügbar ist, aber noch keine einzige Bewertung erhalten hat, wirkt ähnlich attraktiv wie ein leeres Restaurant zur Mittagszeit. Menschen vertrauen darauf, dass sie dort, wo die meisten anderen kaufen, den besten Deal erhalten. Schlechte Neuigkeiten für alle Händler, die erfreut ein komplett neues Produktsortiment zum Verkauf einstellen und abwarten müssen, ob und wann etwas geschieht. Produkte ganz ohne Bewertung verkaufen sich schlechter. Aber selbst wenn sie sich verkaufen, ist die Garantie nicht gegeben, dass sie dann bewertet werden.

Einige Händler legen ihren Rechnungen eine Aufforderung bei, die sich im legalen Rahmen bewegt, wenn sie sinngemäß aussagt „Das Produkt überzeugt Sie? Dann zeigen Sie es anderen und hinterlassen Sie eine Bewertung!“. Nicht erlaubt dagegen: Das Betteln nach positiven Bewertungen. Und dennoch scheint Amazon voll von diesen Bewertungsschwemmen. Trotz des „Bestätigter Kauf“-Mechanismus werden BilligprodukteChinaware und Ripoffs mit Sternen überschüttet. Legal ist das, solange der Kauf wirklich erfolgt ist, aber macht es den Händler seriös?

Misserfolg durch Massenbewertung ohne Produktkauf

Spätestens wenn der Kunde seine Ware erhält, bemerkt er den Betrug. Hochwertiges Lederarmband? Eher billige Plastik. Akkurate Messung des Schrittzählers? Ja, wenn Liegen als Gehen zählt. Und genau dann nutzt der Kunde seine Chance zur Bewertung. Nun fluten schlechte Bewertungen die Artikel. Reagiert der Händler darauf nicht, erhält auch er eine schlechte Bewertung. Ein Produkt, das zur Hälfte 5 und zur Hälfte 1 Stern hat, wird zwar in der Relevanz gerankt, aber bei den Bewertungen rutscht es zügig ab.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Bewertungen von Händler, Service und Produkten wichtig sind, aber nur, wenn der Kunde auch etwas zu sagen hat. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Büchern und Filmen. Auch hier gibt es offensichtlich erkaufte Bewertungen, aber man sieht ihnen die Qualität an. Wer ein Buch bewertet, das ihn wirklich überzeugt hat, schreibt ansprechende Bewertungen und ist bereit, auch dem Händler die verdienten Sterne zu schenken. Die ehrliche Bewertung wiegt daher deutlich schwerer für Kunden, die sich tatsächlich danach richten.

 

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