Amazon: 1-Klick-Bewertungen One-Tap Review

Ein Aufschrei geht durch die Community: Amazon führt eine neue Art der Kundenbewertungen ein, die nur noch mit einem Klick funktionieren soll. Warum? Um Fake-Bewertungen zu dezimieren.

https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Internet-Amazon-Ein-Klick-Bewertungen-18901675.html

Etwas gesunder Menschenverstand und Kenntnisse der Branche wecken den Widerstand und verursachen ein seltsames Bauchgefühl …

Schließlich wollen wir doch nicht vergessen, dass man Bewertungen auch bei Amazon kaufen kann, nämlich über den berühmten Vine-Club.

Warum hier andere Regeln gelten sollten als bei anderen Verkäufern, erschließt sich uns bis heute nicht, aber dies soll nicht der Gegenstand dieses Artikels sein.

Und für Leute, die ein wenig Ahnung von SEO und Online-Marketing haben: Wie genial ist denn der Streit um Fake-Bewertungen für Amazon wirklich? Sicher wird millionenmal in den Auseinandersetzungen in Foren, Sozialen Medien, Blogs und Kommentarfunktion in aller Herren Länder das Wort AMAZON genannt. Wenn dies mal keine tolle Strategie ist … 😉 Man könnte fast von viralem Marketing sprechen.

Vielleicht hat Computerbild aber nur alles falsch verstanden! Also sollte man der Sache doch etwas näher auf den Grund gehen: Woher stammen diese Amazon-News? Im Netz wurde weit und breit kein O-Ton der Amazonen gefunden, alle Nachrichten kommen von TechCrunch.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass TechCrunch ein weltweit führendes Online-Nachrichtensystem ist. In wie weit Jeff Bezos daran beteiligt ist, entzieht sich leider unserer Kenntnis. 😉

Ob TechCrunch hier spekuliert oder ob es sich um eine tatsächliche Aussage von Amazon handelt, können wir leider nicht nachvollziehen:

Die neue Funktion könnte einen großen Beitrag dazu leisten, Feedback von einer größeren Anzahl von Online-Verbrauchern zu sammeln, da sich viele nicht darum kümmern, Bewertungen zu verfassen. Dies könnte auch dazu beitragen, die Bewertungen mit dem Feedback von echten Käufern auszugleichen, im Gegensatz zu denen, die Anreize erhalten oder für das Abgeben von Bewertungen bezahlt wurden.

Der 1. Satz erscheint wirklich einleuchtend und ist vermutlich der wahre Grund, warum dieses Bewertungsmodell entwickelt wurde. Satz Nr. 2 erscheint uns ein wenig als Bauernfängerei.

Bewertungen mit dem Feedback von echten Käufern ausgleichen?

  • Woher weiß Amazon, welche Produkte „ausgeglichen“ werden müssen?
  • Wie wird den „echten Käufern“ vermittelt, dass es sich hier um ein „Ausgleichsprodukt“ handelt? Werden hier extra-kritische Kunden herangezüchtet?
  • Was, wenn auch die echten Käufer das Produkt für gut empfinden?
  • War der Verdacht der Fake-Bewertungen dann obsolet?
  • Erhält der Verkäufer dann eine Entschuldigung von Amazon, dass er des Betruges bezichtigt wurde?
  • Erfährt der Händler überhaupt, woher der Wind weht und er plötzlich viele und u. U. ungerechtfertigte Rezensionen erhält?
  • Um zu viele positive Bewertungen auszugleichen, erfordert es eine Anzahl von negativen Rezensionen. Wer soll diese Produkte kaufen, um eine schlechte Bewertung abzugeben?
  • Was passiert mit den negativen Fake-Bewertungen, die es schließlich ebenfalls gibt? Wer schickt hier wen zum „Ausgleich“?

Sorry, aber die ganze Geschichte wird immer widersinniger, je länger man darüber nachdenkt und je mehr Fragen man sich dazu stellt.

Sogar ReviewMeta, denen schließlich die Helfertätigkeit für Amazon unterstellt wird, sieht die Veränderung mehr als kritisch:

https://reviewmeta.com/blog/amazons-one-tap-review-system-another-step-backwards/

Von einem weiteren Schritt zurück ist die Rede. Nicht ganz aus der Luft gegriffen, denn folgen wir einmal der Idee, dass diese Maßnahme der Dezimierung von Fake-Bewertungen dienen soll, ergeben sich wieder etliche Fragen:

  • Falls ich wirklich faken will, fake ich dann nicht schneller mit einem Klick, als mit einem zusätzlichen Text?
  • Könnten dann nicht gleich Bots das Faken übernehmen?
  • Kann ich nicht auch Fake-Rezensionen und -bewertungen abgeben, wenn ich der jeweiligen Landessprache gar nicht mächtig bin?
  • Wie soll eine Sternenbewertung eine Entscheidungshilfe für nachfolgende Kunden darstellen? Die Frage, was den vorherigen Käufer erfreut oder erzürnt hat, bleibt so offen.
  • Man möchte es kaum glauben, aber es gibt Kunden, die das Bewertungssystem nicht verstehen. 5 Sterne stehen für eine „schlechte Note“ und nur ein entsprechender Text kann den Irrtum evtl. aufklären. Was geschieht aber, wenn es keinen Kommentar dazu gibt?

Was immer sich Amazon hier ausgedacht haben soll: diese Idee wird zu allem möglichen führen, aber nicht dazu, Fakes den Garaus zu machen.

Und wir möchten TechCrunch hier nochmals zitieren:

Amazon bestätigte, dass es sich bei der neuen Funktion um ein Experiment und nicht um eine öffentliche Veröffentlichung handelt.

Wie so oft wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird … Es bleibt also spannend!

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