Ärzte-Bewertungen: Ohrfeige für Jameda

Ärzte-Bewertungen: Ohrfeige für Jameda

Alle Ärzte sind klasse und voller Nächstenliebe, sie möchten natürlich immer nur das Beste für ihre Patienten. Ungeachtet von Verdienstmöglichkeiten und dem persönlichen Einsatz. Mediziner machen keine Fehler und alle Diagnosen sind gut begründet, durchdacht und in mit äußerster Sorgfalt gestellt. Schuld sind die Patienten, die nicht zuhören, lügen und nicht mitarbeiten. Aber Jameda ist richtig böse?

Nein, ganz so einfach ist das Leben leider nicht! Und auch wir werden hier jetzt keinen ausgewogenen Artikel veröffentlichen, neutral und fernab jeder Häme.

Ganz im Gegenteil: Wir freuen uns über den Platzverweis, der der Burda Digital GmbH jetzt von unserer obersten gerichtlichen Instanz erteilt wurde. Aus guten Gründen hegen wir persönliche Ressentiments gegenüber dem Portal, wie an dieser Stelle schon berichtet:

https://www.content-werkstatt.com/rezensionen/fake-bewertungen-erkennen/

Aber um was ging es bei dem Urteil eigentlich?

Die Internetplattform Jameda hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Arme um die gesamte Ärzteschaft, Heilpraktiker, Zahnärzte und medizinisches Fachpersonal zu schließen. Natürlich aus reinster Nächstenliebe und nur im Sinne des Patienten.

Jameda gibt dazu selbst zum Besten:

Entsprechend § 76 SGB V haben Patienten in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl. Da Patienten ihre Ärzte heutzutage vorwiegend online suchen, benötigen Sie zur Ausübung dieses Rechts vollständige Arztlisten im Internet. Diese stellt jameda Patienten zur Verfügung und löscht daher keine Ärzte von dem Portal.

Diese Äußerung bezog sich auf darauf, dass eine Kölner Dermatologin sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt hatte. Leider unterlag die Medizinerin 2014 beim OLG Köln. Damit gab sich die Ärztin allerdings nicht zufrieden und zog vor den BGH.

Dieser traf am 20.02.2018 die Entscheidung, dass das Portal die Daten der Dermatologin vollständig zu löschen habe.

Ein wesentlicher Grund wurde darin gesehen, dass das Bewertungsportal den Boden der Neutralität verlassen habe. Auch, weil zahlendes und nicht zahlendes medizinisches Fachpersonal unterschiedlich behandelt wird.

Dadurch wurde für uns nochmals klar herausgestellt, dass es sich nicht um ein Verzeichnis handelt, dass dem Wissen und der Erkenntnis des Patienten dienen soll, sondern um ein knallhartes wirtschaftliches Geschäftsmodell. Über die Ungerechtigkeiten von Jameda haben wir in der Vergangenheit bereits berichtet und uns dabei noch bedeckt gehalten. Schließlich liegt uns nichts daran, die Mediziner, die sich in der Vergangenheit vertrauensvoll an uns gewandt haben, auf irgend eine Art und Weise bloßzustellen.

Gefühlt hat das Portal bisher Gott und die Welt vor den Kadi gezerrt. Wir sind gespannt, ob dies weiterhin Usus bleiben wird. Auch Unternehmen, die sich um die Abgabe von Patientenbewertungen bemüht hatten, wurden von Klagen nicht verschont.

Wir finden diese Doppelmoral besonders abstoßend und scheinheilig und waren daher auf das heute Urteil äußerst gespannt!

 

 

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